Der richtige Vermahlungsgrad – entscheidend für Leistung und Darmgesundheit beim Schwein
Die Futtervermahlung beeinflusst Nährstoffverwertung, Tiergesundheit und Leistung maßgeblich. Worauf es beim optimalen Mahlgrad ankommt, lesen Sie im Blogartikel.
Die Futtervermahlung ist ein oft unterschätzter Stellhebel in der Schweinefütterung. Während eine feine Vermahlung die Verdaulichkeit der Nährstoffe verbessert und damit die Futterverwertung positiv beeinflussen kann, birgt sie gleichzeitig Risiken für die Magen- und Darmgesundheit der Tiere. Umgekehrt können zu grobe Futterpartikel die Nährstoffausnutzung verschlechtern und ebenfalls gesundheitliche Probleme verursachen. Entscheidend ist daher ein ausgewogener Vermahlungsgrad, der sowohl die Leistungsfähigkeit als auch das Tierwohl unterstützt.
Feine Vermahlung – höhere Verdaulichkeit mit Nebenwirkungen
Eine feine Zerkleinerung des Futters vergrößert die Oberfläche der Futterpartikel. Dadurch können Verdauungsenzyme die enthaltenen Nährstoffe besser erschließen, was die Verdaulichkeit erhöht und die Futterverwertung verbessern kann.
Allerdings ist ein möglichst feines Futter nicht automatisch die beste Lösung. Je nach Produktionsstadium der Tiere kann eine sehr feine Vermahlung negative Auswirkungen auf die Darm- und insbesondere auf die Magengesundheit haben.
Warum feines Futter Magengeschwüre begünstigen kann
Im Schweinemagen herrscht normalerweise eine deutliche Schichtung des Mageninhalts. Grobe und mittlere Futterpartikel sorgen dafür, dass sich die verschiedenen Bereiche des Mageninhalts stabil voneinander abgrenzen. Dadurch entsteht das notwendige pH-Wert-Gefälle, das die empfindlichen Bereiche des Magens schützt.
Bei sehr fein vermahlenem Futter verändert sich dieses System. Durch den schnelleren Durchsatz des Futterbreis kommt es nicht mehr zur typischen Schichtung des Mageninhalts. Gleichzeitig können eine verstärkte Säure- und Pepsinbildung die schützende Schleimschicht angreifen. Besonders gefährdet ist dabei der Bereich des Mageneingangs, der lediglich von einer kutanen Schleimhaut bedeckt ist und daher empfindlicher auf aggressive Magensäure reagiert.
Die Folge können Magengeschwüre (Magenulzera) sein. Dabei handelt es sich um Defekte der Magenschleimhaut, die bis in tiefere Gewebeschichten reichen können.
Symptome von Magengeschwüren
Magengeschwüre entwickeln sich häufig schleichend und bleiben zunächst unbemerkt. Mit zunehmender Ausprägung können jedoch verschiedene Symptome auftreten:
- Blasse Hautfarbe
- Appetitlosigkeit
- Abmagerung
- Passivität
- Erbrechen
- Schwarz verfärbter Kot als Hinweis auf Blutungen im Magen-Darm-Trakt
- Verenden der Tiere
Neben den gesundheitlichen Folgen entstehen dadurch erhebliche wirtschaftliche Verluste.
Weitere Nachteile einer zu feinen Vermahlung
Ein weiterer Nachteil sehr fein gemahlener Futtermittel ist die erhöhte Staubentwicklung. Staub belastet die Atemwege der Tiere, kann zum Verkleben der Nasenöffnungen führen und Stressreaktionen hervorrufen. Dauerhafter Stress wirkt sich wiederum negativ auf Tiergesundheit und Leistung aus.
Auch zu grobes Futter ist problematisch
Nicht nur zu feines, sondern auch zu grobes Futter kann Nachteile mit sich bringen. Große Partikel werden schlechter verdaut, wodurch Nährstoffverluste entstehen können. Gleichzeitig steigt das Risiko für Verdauungsstörungen sowie mechanische Reizungen oder Verletzungen im Magen-Darm-Trakt. Ziel ist daher nicht das gröbste oder feinste Futter, sondern eine auf die Tiergruppe abgestimmte, gleichmäßige Partikelgröße.
Vermahlungsgrad regelmäßig kontrollieren
Um eine gleichbleibende Futterqualität sicherzustellen, sollte der Vermahlungsgrad regelmäßig überprüft werden. Eine einfache und praxisnahe Methode bietet der Siebkasten.
Dieser besteht aus mehreren, durch Siebe getrennten Kammern. Nach dem Einfüllen einer repräsentativen Futterprobe wird der Siebkasten drei bis fünf Minuten geschüttelt. Anschließend kann anhand der Verteilung der Volumenanteile auf den einzelnen Sieben die Mahlfeinheit beurteilt werden. Gleichzeitig sollte kontrolliert werden, ob sich im Grobsieb ganze oder halbe Körner befinden, die auf eine unzureichende Zerkleinerung hinweisen.
Für eine aussagekräftige Untersuchung empfiehlt sich eine Futterprobe von etwa 250 Gramm.
Den Vermahlungsgrad gezielt anpassen
Weicht die Partikelgrößenverteilung vom gewünschten Bereich ab, stehen verschiedene Stellschrauben zur Verfügung:
- Verwendung eines gröberen oder feineren Schrotsiebes
- Kontrolle und gegebenenfalls Austausch verschlissener Hämmer und Siebe
- Anpassung der Walzenabstände bei Walzenmühlen
- Veränderung der Drehzahl der Mühle
Eine regelmäßige Wartung der Mahltechnik trägt wesentlich dazu bei, eine konstante Futterqualität zu gewährleisten.
Der Vermahlungsgrad des Schweinefutters beeinflusst sowohl die Nährstoffverwertung als auch die Gesundheit der Tiere maßgeblich. Während eine feine Vermahlung die Verdaulichkeit verbessert, erhöht sie bei übermäßiger Feinheit das Risiko für Magengeschwüre und weitere Gesundheitsprobleme. Zu grobe Partikel verschlechtern dagegen die Nährstoffausnutzung und können den Verdauungstrakt mechanisch belasten. Eine regelmäßige Kontrolle der Mahlfeinheit sowie die richtige Einstellung der Mühlentechnik helfen dabei, einen optimalen Kompromiss zwischen Futtereffizienz und Tiergesundheit zu erreichen.
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