Tatort Absetzen – Eine kritische Phase im Fokus
Absetzen ist mehr als Routine: Für Ferkel bedeutet es Stress, Umstellung und Risiko zugleich. Warum diese Phase entscheidend für Gesundheit und Leistung ist – und wie landwirtschaftliche Betriebe sie erfolgreich meistern.
Das Absetzen der Ferkel gehört zu den sensibelsten Phasen in der Schweinehaltung. In der Praxis werden Ferkel meist im Alter von 21 bis 28 Tagen von der Muttersau getrennt. Zu diesem Zeitpunkt bringen sie ein Gewicht von etwa 6 bis 8,5 Kilogramm auf die Waage. Was wie ein routinemäßiger Schritt im Produktionsablauf wirkt, stellt für die Tiere jedoch einen tiefgreifenden Einschnitt dar – einen regelrechten „Tatort“, an dem viele Stressfaktoren gleichzeitig aufeinandertreffen.
Nach dem Absetzen verbringen die Jungtiere rund 50 Tage im sogenannten Flatdeck, bevor sie mit etwa 25 bis 30 Kilogramm in die Mast umgestallt oder verkauft werden. In dieser Zeit entscheidet sich maßgeblich, wie gut sich die Tiere entwickeln – und wie widerstandsfähig sie gegenüber Krankheiten sind.
Mehrere Stressoren gleichzeitig
Beim Absetzen treffen gleich mehrere belastende Ereignisse zusammen: Die Trennung vom Muttertier bedeutet nicht nur den Verlust von Nähe und Orientierung, sondern auch das abrupte Ende der Milchversorgung. Parallel dazu erfolgt die Umstellung auf feste Nahrung, mit der sich das Verdauungssystem der Ferkel erst zurechtfinden muss.
Hinzu kommt die Umstallung in eine neue Umgebung. Das Flatdeck bringt nicht nur räumliche Veränderungen mit sich, sondern auch ein verändertes Keimspektrum, an das sich die Tiere erst anpassen müssen. Gleichzeitig werden häufig Würfe gemischt, sodass neue Rangordnungen ausgekämpft werden. All diese Faktoren führen zu erheblichem Stress – mit direkten Auswirkungen auf Gesundheit und Leistung der Tiere.
Die Verantwortung des Betriebs
Die Aufgabe der Landwirtinnen und Landwirte besteht darin, diese kritische Phase bestmöglich zu begleiten. Ziel ist es, Stress zu minimieren und optimale Bedingungen zu schaffen, damit die Ferkel stabil wachsen und gesund bleiben.
Struktur im Flatdeck - Sortieren hilft
Ein zentraler Baustein ist das gezielte Sortieren der Ferkel beim Einstallen ins Flatdeck. Idealerweise werden die Tiere nach Größe beziehungsweise Gewicht gruppiert. Das reduziert Konkurrenzkämpfe am Futtertrog und sorgt dafür, dass auch schwächere Tiere ausreichend Zugang zu Futter erhalten.
Besondere Aufmerksamkeit gilt kranken oder sehr schwachen Ferkeln. Sie sollten in separaten Buchten untergebracht werden, die gut einsehbar und leicht zugänglich sind. So kann bei gesundheitlichen Problemen schnell reagiert werden.
Hygiene als Schlüssel zum Erfolg
Ein niedriger Keimdruck ist entscheidend für die Gesundheit der Tiere. Bewährt hat sich das Rein-Raus-Verfahren, bei dem Abteile geschlossen belegt und vollständig geräumt werden. Gründliche Reinigung und Desinfektion sind dabei unerlässlich.
Auch die regelmäßige Bekämpfung von Schadnagern spielt eine wichtige Rolle, da diese Krankheitserreger in den Stall eintragen können.
Futter und Wasser - Der kritische Punkt
Die Futterumstellung stellt eine der größten Herausforderungen dar. In der neuen Umgebung müssen die Ferkel zunächst lernen, Futter- und Wasserquellen zu finden. Zusätzliche Tränken und Futterschalen können dabei helfen, die Aufnahme zu erleichtern.
Besonders wichtig ist die Wasserversorgung: Nach dem Absetzen steigt der Bedarf deutlich an. Mehrere Wasserstellen fördern die Aufnahme und stabilisieren den Stoffwechsel.
Ein häufiges Problem in dieser Phase ist die reduzierte Futteraufnahme. Stress und Unsicherheit führen dazu, dass Ferkel teilweise über längere Zeit wenig oder gar nicht fressen. Das daraus resultierende Energiedefizit schwächt den Organismus und muss unbedingt vermieden werden.
Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Tiere nach einer Phase der Nüchternheit plötzlich große Futtermengen aufnehmen. Dies kann zum sogenannten Absetzdurchfall führen. Ursache ist eine Überlastung des Verdauungssystems: Der Futterbrei wird im Magen nicht ausreichend angesäuert, gelangt unverdaut in den Dickdarm und bietet dort Nährboden für Schadkeime. Die Folge sind Durchfälle, die die Tiere zusätzlich schwächen.
Fazit
Das Absetzen ist weit mehr als ein organisatorischer Schritt – es ist eine entscheidende Phase, in der sich Tiergesundheit und Leistungsfähigkeit nachhaltig prägen. Wer hier sorgfältig arbeitet, Stress reduziert und optimale Rahmenbedingungen schafft, legt den Grundstein für eine erfolgreiche Mast. Der „Tatort Absetzen“ wird so vom Risikofaktor zur Chance.
Ihr:e Sano-Fachberater:in unterstützt Sie dabei, die Absetzphase optimal zu gestalten und die Gesundheit sowie Leistungsfähigkeit Ihrer Ferkel nachhaltig zu sichern.