Kuhgesundheit nach den heißen Monaten: Stoffwechsel, Stress und Kolostrum
Der Hitzestress der vergangenen Monate verblasst mit dem Leuchten der ersten bunten Blätter. Jetzt wird im Stall die Ernte des Herdenmanagements der Sommermonate eingefahren - in der Hoffnung auf ausbleibende Spätfolgen.
Die Nachwehen des Sommers
Der Sommer wird auf vielen Betrieben jedes Jahr aufs Neue mit einem Rückgang der Milchleistung und damit finanziellen Einbußen verbunden. Umso größer ist die Erleichterung, wenn die Temperaturen endlich abkühlen und die Futteraufnahme und auch die Milchleistung wieder steigen. Die offensichtlichen Probleme aus dem Sommer sind mit dem Absinken der Temperaturen schnell behoben. Tückisch sind die Spätfolgen, die sich am Ende des Sommers zeigen.
Im Spätsommer sticht besonders eine Gruppe im Stall hervor: die Frischabkalber – also die Kühe, die während der heißen Sommermonate trockenstanden. Je besser der Trockenstand für die Tiere gestaltet wird, desto reibungsloser gelingt der Start in die Laktation. Suboptimale Bedingungen hinsichtlich des Managementes, der Haltung oder der Fütterung dieser Gruppe, äußern sich spätestens mit der Kalbung. Eine geringere Leistung zählt zu den ersten negativen Auswirkungen. Auch zeitverzögert, beim Controlling der Fruchtbarkeitskennzahlen, zeigt sich diese Gruppe auffällig. Doch woran liegt das? Während der Trächtigkeit wird das hormonelle System schrittweise auf die Geburt vorbereitet. Das endokrine System, welches verantwortlich für die Produktion und die Regulation von Hormonen ist, reagiert in der Trockenstehzeit noch empfindlicher auf Hitzestress als während der Laktation. Dieser Einfluss darf nicht unterschätzt werden. Störungen im Hormonhaushalt können die Regeneration des Eutergewebes im Trockenstand beeinträchtigen und somit ursächlich für eine reduzierte Milchleistung in der Folgelaktation sein. Des Weiteren kann Hitzestress die Nährstoffaufnahme des Fötus durch die Plazenta stören. Ein erhöhter Cortisolspiegel wirkt sich außerdem negativ auf den Geburtsverlauf aus, etwa durch eine gestörte Wehentätigkeit.
Wenn Hitzestress zur Leistungslücke wird
Bereits bei Temperaturen von über 16 °C wird bei Milchkühen von Hitzestress gesprochen. Bei Hitzestress muss die Kuh zusätzlich Energie aufwenden, um überschüssige Körperwärme abzugeben. Gleichzeitig treten die im Artikel „Fruchtbarkeit in Hitzeperioden unterstützen“ genannten Folgen auf. Dazu zählen beispielsweise eine verringerte Futteraufnahme, verlängerte Stehzeiten oder eine reduzierte Milchleistung. Bedingt durch das Auftreten von (Hitze-)Stress wird vermehrt Cortisol ausgeschüttet. Cortisol ist ein Stresshormon, welches die Freisetzung wichtiger Fruchtbarkeitshormone, wie GnRH, FSH und LH hemmt. In der Konsequenz verschlechtern sich die Bedingungen für die Follikelreifung, was deren Qualität negativ beeinträchtigt. Daraus kann beispielsweise ein Ausbleiben des Eisprungs resultieren. Der Prozess der Follikelentwicklung bis zur Reifung einer befruchtungsfähigen Eizelle dauert etwa zwei bis drei Monate. Um die Körperwärmeproduktion zu senken, reduziert die Kuh bei gleichzeitig steigendem Erhaltungsbedarf die Futteraufnahme um bis zu 30 %. Die Milchleistung kann infolgedessen um 10 bis 20 % sinken, und/oder die Kuh gerät in eine Phase negativer Energiebilanz, insbesondere zu Beginn der Laktation. Ursächlich dafür sind der Rückgang der Futteraufnahme bei gleichzeitig steigendem Energiebedarf, z.B. durch die Regulierung der Körpertemperatur. Diese Energiemangelsituation führt zu einem Abfall des Blutzuckerspiegels, wodurch weniger Insulin produziert wird. Insulin ist jedoch essenziell für die Reifung der Follikel am Eierstock. Der Insulin-like Growth Faktor 1 (IGF-1), der in der Leber produziert wird, fördert sowohl das Follikelwachstum als auch die Eizellenqualität. Ein Energiemangel reduziert die IGF-1-Produktion, wodurch die Follikelqualität beeinträchtigt wird. In der Folge reifen die Follikel langsamer und in minderer Qualität. Das Resultat sind Zyklusstörungen oder nicht befruchtungsfähige Eizellen. Das führt zu einem verzögerten Zyklusstart nach der Kalbung und ist mit schlechteren Trächtigkeitsergebnissen verbunden.
Was die Kuh stresst, bremst die Leistung des Kalbes
Untersuchungen von Monteiro et al. (2014, 2016) belegen, dass Kühe, die in der Trockenstehzeit unter Hitzestress gelitten haben, ein höheres Risiko für Totgeburten, Nachgeburtsverhalten oder Stoffwechselerkrankungen wie Milchfieber aufweisen. In der Summe führt dies zu einem erschwerten Laktationsstart, höheren Kosten für kranke Tiere und einer geringeren Leistungsfähigkeit über die gesamte Laktation hinweg. Die Forscher konnten zudem zeigen, dass die Leistungsfähigkeit der noch ungeborenen Kälber durch die Folgen von Hitzestress beeinträchtigt wird.
Die Ergebnisse der Studie im Überblick:
- Die Kälber hatten im Schnitt ein um 5 kg niedrigeres Geburtsgewicht.
- Sie nahmen geringere Mengen an Immunglobulinen aus dem Kolostrum auf.
- Die Sterblichkeit bis zur ersten Laktation war deutlich höher als bei Kälbern, deren Mütter in der späten Trächtigkeit keinem Hitzestress ausgesetzt waren.
- Die Milchleistung der späteren Färsen lag in den ersten 35 Laktationswochen um über 5 kg pro Tag niedriger (Abbildung 1).
Abbildung 1: Entwicklung der Milchleistung von Färsen, die im Mutterleib Hitzestress erlebt haben, im Vergleich zu Tieren, die keinem Hitzestress ausgesetzt waren (Monteiro et al. 2014, Monteiro et al. 2016).
Umso wichtiger ist es, dass die Kühe in der Trockenstehphase nicht nur unter optimalen Haltungsbedingungen stehen, sondern auch die Fütterung auf diesen besonderen Zeitraum abgestimmt ist und eine adäquate Nährstoffversorgung sichergestellt ist. Die Ration muss gezielt auf diesen besonderen Bedarf abgestimmt sein. Insbesondere hinsichtlich der Faser-, Energie- und Eiweißkomponenten. Das gilt allerdings nicht nur im Sommer, sondern ganzjährig! Wir von Sano entwickeln gemeinsam mit Ihnen ein für Ihren Betrieben maßgeschneidertes Konzept, um die Versorgung Ihrer Trockensteher zu optimieren. Ihr:e Sano-Fachberater:in unterstützt Sie dabei gerne.
Kolostrum: Das lebensnotwendige Startkapital
Durch eine bedarfsgerechte Versorgung der trockenstehenden Kuh wird dazu beigetragen, das Immunsystem zu stabilisieren, die Regeneration von Euter- und Stoffwechsel zu fördern und die Kühe optimal auf die kommende Laktation vorzubereiten. Gerade im Hinblick auf Stoffwechselstörungen nach der Kalbung gilt: Vorsorge ist besser als Nachsorge.
Die Bildung des Kolostrums (Kolostrogenese) beginnt etwa vier Wochen vor der Kalbung. Über Haltung und Fütterung kann aktiv Einfluss auf Qualität und Menge genommen werden. Stress, beispielsweise durch Hitze, Überbelegung oder unzureichende Futtervorlage, kann eine Immunsuppression der tragenden Kuh verursachen. In der Folge wird die Produktion und der Transfer von Immunglobulinen ins Kolostrum beeinträchtigt. In den Herbst- und Wintermonaten lässt sich zudem ein Rückgang der Kolostrummenge beobachten. Ursächlich ist die abnehmende Lichtintensität, die sich negativ auf die Kolostrumproduktion auswirkt. Für das Kalb ist eine ausreichende und qualitativ hochwertige Kolostrumversorgung jedoch lebensnotwendig.
Deppe et al. (2025) haben in einer Studie herausgefunden, dass die Qualität der Kolostrumversorgung direkten Einfluss auf die Häufigkeit und die Intensität von Durchfallerkrankungen bei Kälbern hat. Diese Ergebnisse verdeutlichen erneut die Bedeutung eines konsequenten Kolostrummanagements. Die Autoren kamen außerdem zu dem Ergebnis, dass der Einsatz eines Kolostrumaufwerters, mit dem Zusatz von Immunglobulinen, das Auftreten von Durchfallerkrankungen bei Kälbern reduzieren konnte. Sano hat mit dem Kolostrumaufwerter Cotosan Plus® ein Produkt entwickelt, das Kälber gezielt in der Startphase unterstützt. Auf diese Weise werden mit der ersten Mahlzeit zuverlässig lebensnotwendige Immunglobuline, Antikörper und Nährstoffe aufgenommen, um die Widerstandskraft und somit die Entwicklung der Kälber aktiv zu unterstützen. Enthaltende Probiotika stimulieren zudem die Darmflora, verdrängen krankmachende Keime aus dem Verdauungstrakt und liefern schnell verfügbare Energie.
Sie wollen auch den Grundstein für einen gesunden Start Ihrer Kälber legen und deren Entwicklung aktiv unterstützen? Dann wenden Sie sich gerne direkt an Ihre:n persönliche:n Sano Fachberater:in.