Hitzestress bei Schweinen – frühzeitig erkennen und wirksam vorbeugen

Heiße Sommertage stellen Landwirt:innen vor neue Herausforderungen: Schweine leiden besonders unter hohen Temperaturen. Erfahren Sie, wie Hitzestress entsteht, welche Folgen er hat und mit welchen Maßnahmen Tiere im Stall wirksam entlastet werden können.

Vier Ferkel stehen bzw. liegen zusammen im Stall

Mit zunehmender Anzahl heißer Sommertage gewinnt das Thema Hitzestress in der Schweinehaltung immer mehr an Bedeutung. Schweine reagieren besonders empfindlich auf hohe Temperaturen, da sie nur über wenige und zudem wenig leistungsfähige Schweißdrüsen verfügen. Im Gegensatz zu anderen Tierarten können sie ihre Körpertemperatur daher kaum durch Schwitzen regulieren.

In freier Wildbahn suchen Schweine zur Abkühlung Wasserstellen auf oder wälzen sich im Schlamm. Durch die Verdunstung des Wassers beziehungsweise des Schlamms auf der Haut wird Wärme abgeführt. Außerdem vermeiden die Tiere körperliche Aktivität und halten sich bevorzugt in schattigen Bereichen auf. Im Stall sind Schweine jedoch auf geeignete Haltungsbedingungen und ein gutes Management angewiesen, um Hitzebelastungen zu bewältigen.

Wann beginnt Hitzestress?

Bereits ab einer Umgebungstemperatur von etwa 22 °C reagieren Schweine mit einer erhöhten Atemfrequenz. Ab etwa 25 °C sinkt die Futteraufnahme deutlich, was sich unmittelbar auf die täglichen Zunahmen und das Allgemeinbefinden auswirkt. Zwischen 25 und 26 °C steigt zudem die Körpertemperatur der Tiere an. Gleichzeitig erhöht sich der Wasserbedarf mit jedem zusätzlichen Grad Celsius deutlich.

Das Verhalten der Tiere liefert dabei wichtige Hinweise auf eine zunehmende Hitzebelastung.

Woran erkennt man Hitzestress?

Typische Anzeichen für Hitzestress sind:

  • Schnelle und flache Atmung beziehungsweise Hecheln
  • Verringerte Aktivität und Bewegungsunlust
  • Vermehrtes Liegen auf kühlen Flächen
  • Reduzierte Futteraufnahme
  • Gerötete Haut infolge einer stärkeren Durchblutung
  • Unruhe und verstärkte Suche nach Abkühlungsmöglichkeiten
  • Erhöhte Wasseraufnahme

Diese Symptome sollten frühzeitig erkannt werden, um gesundheitliche Folgen zu vermeiden.

Auswirkungen auf Tiergesundheit und Leistung

Hitzestress beeinträchtigt sowohl das Tierwohl als auch die Wirtschaftlichkeit der Schweinehaltung. Durch die reduzierte Futteraufnahme sinken die Tageszunahmen und die Mastdauer verlängert sich. Zudem können Fruchtbarkeitsprobleme bei Sauen auftreten.

Länger andauernde Hitzeperioden erhöhen das Risiko für Kreislaufprobleme, Schwäche und Verdauungsstörungen. Auch Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressivität, Apathie oder sogar Kannibalismus können häufiger auftreten. Besonders gefährdet sind schwere Mastschweine sowie säugende und tragende Sauen.

Fütterung an heiße Temperaturen anpassen

Da Schweine bei Hitze ihre Futteraufnahme reduzieren, sollte das Fütterungsmanagement angepasst werden. Empfehlenswert ist eine Verlagerung der Fütterungszeiten in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden. Auch die Aufteilung der Tagesration auf mehrere kleinere Mahlzeiten kann die Futteraufnahme verbessern.

Bei der Rationsgestaltung können folgende Maßnahmen helfen:

  • Stärke- und Rohfasergehalte reduzieren
  • Fett beziehungsweise Öl als Energieträger einsetzen
  • Rohproteingehalte bedarfsgerecht anpassen
  • Energiekonzentration der Ration erhöhen
  • Schmackhaftes und leicht verdauliches Futter anbieten

Dadurch wird die Wärmeproduktion während der Verdauung reduziert und die Tiere werden metabolisch entlastet.

Besonders in den Sommermonaten ist zudem auf eine gute Trog-Hygiene zu achten. Futterreste sollten regelmäßig entfernt werden, um Verderb, Gärungsprozesse und gesundheitliche Probleme zu vermeiden.

Wasserversorgung als Schlüsselfaktor

Eine ausreichende Wasserversorgung ist die wichtigste Sofortmaßnahme gegen Hitzestress. Schweine erhöhen bei hohen Temperaturen ihre Wasseraufnahme deutlich. Untersuchungen zeigen, dass der Wasserbedarf ab 22 °C Stalltemperatur mit jedem weiteren Grad Celsius um rund 1,45 % steigt.

Folgende Durchflussraten sollten sichergestellt werden:

  • Ferkel: 0,3–0,5 l/min
  • Mastschweine: 0,8–1,5 l/min
  • Sauen und Eber: 1,5–2,0 l/min

Darüber hinaus sollte jederzeit frisches, sauberes Trinkwasser verfügbar sein. Idealerweise liegt die Wassertemperatur zwischen 10 und 15 °C. Bei frisch abgesetzten Ferkeln kann das Angebot mehrerer verschiedenen Tränken helfen, eine ausreichende Wasseraufnahme sicherzustellen.

Lüftung und Kühlung überprüfen

Vor Beginn der warmen Jahreszeit sollten sämtliche Lüftungs- und Kühlsysteme kontrolliert werden.
Dazu gehören:

  • Reinigung von Zu- und Abluftkanälen
  • Kontrolle von Ventilatoren und Temperaturfühlern
  • Überprüfung von Alarm- und Warnsystemen
  • Wartung von Sprühnebel- oder Verdunstungskühlungsanlagen
  • Kontrolle der Einstellungen des Klimacomputers

Verschmutzte Luftkanäle und Ventilatoren können die Leistungsfähigkeit der Lüftung erheblich einschränken. Gleichzeitig ist darauf zu achten, dass trotz ausreichender Luftbewegung keine Zugluft entsteht. Besonders in der Abferkelung und bei frisch abgesetzten Ferkeln sollte Zugluft unbedingt vermieden werden.

Kühle Liegeflächen und ausreichend Platz

Schweine geben einen großen Teil ihrer Körperwärme über den Kontakt zum Boden ab. Deshalb sind kühle Liegeflächen von besonderer Bedeutung. Beton- oder Gussroste können Wärme besser ableiten als Kunststoffflächen. In eingestreuten Systemen sollte die Strohmenge während Hitzeperioden angepasst werden, damit die Tiere Kontakt zu kühleren Bodenbereichen haben.

Auch eine geringere Belegdichte kann helfen. Mehr Platz verbessert die Luftzirkulation innerhalb der Bucht und ermöglicht den Tieren, sich besser zu verteilen.

Ruhe bewahren

Jede zusätzliche Aktivität erhöht die Wärmeproduktion der Tiere. Deshalb sollten arbeitsintensive Maßnahmen wie Umstallungen, Impfungen oder Tierkontrollen möglichst in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegt werden. Während der heißesten Tageszeit sollte unnötige Unruhe im Stall vermieden werden.

Fazit

Hitzestress zählt zu den größten Herausforderungen der Schweinehaltung während der Sommermonate. Bereits Temperaturen ab etwa 22 bis 25 °C können die Leistung und Gesundheit der Tiere beeinträchtigen. Eine Kombination aus angepasster Fütterung, ausreichender Wasserversorgung und funktionierender Lüftung hilft die Belastung deutlich zu reduzieren. Wer frühzeitig Vorsorge trifft kann Tierwohl, Tiergesundheit und Leistung auch an heißen Tagen auf hohem Niveau halten.

Ihr: Sano-Fachberater:in begleitet Sie bei der Umsetzung eines erfolgreichen Hitzestressmanagements und hilft Ihnen dabei, die Gesundheit, das Tierwohl und die Leistung Ihrer Schweine auch an heißen Sommertagen nachhaltig zu sichern.

 

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