Den richtigen Erntezeitpunkt wählen: Praxistipps für jeden Bestand
Der Trockenmassegehalt ist eine zentrale Kennzahl zur Bestimmung des optimalen Erntezeitpunkts. Wie Sie diesen in jedem Bestand zuverlässig einschätzen können, zeigen wir Ihnen in unserer praxisnahen Einordnung.
Zur Einschätzung des optimalen Erntezeitpunktes greift Sano auf langjährige Erfahrungen aus der Praxis sowie dem eigenen Labor zurück. Im Folgenden geben Ihnen unsere Fütterungsexperten hilfreiche Tipps, wie Sie für jeden Bestand die richtige Entscheidung treffen und die maximale Qualität ernten können.
In Abbildung 1 sind sechs Abstufungen der Maispflanzenentwicklung abgebildet. Die Darstellung reicht von Stufe 0 (kein Trockenstress) bis Stufe 5 (sehr starker Trockenstress, Maispflanze ohne Kolbenansatz). Außerdem ist die zu erwartende Reduktion der Biomasse-Ertragserwartung dargestellt. Worauf in den Beständen der jeweiligen Trockenstressstufen zu achten ist, haben wir im Nachfolgenden für Sie zusammengestellt.
Abbildung 1: Stufen des Trockenstress von 0 bis 5 (0 = kein Trockenstress; 5 = starker Trockenstress ohne Kolbenansatz) sowie der zu erwartenden Ertragsreduktion auf den Silomais-Ganzpflanzenertrag pro ha (in %), bzw. typische Kolbenausprägungen innerhalb der Stufen.
Stufen 4 & 5: Jetzt noch verdauliches Futter ernten
Neben der Sortenwahl hängt die Pansenabbaubarkeit der Faser vor allem auch von der Gesundheit der Restpflanze ab. Speziell in Beständen mit starkem Trockenstress (Ausprägungsstufen 4 & 5 oder höher) ist zu erwarten, dass bei andauerndem Wassermangel der Blattapparat vollständig abstirbt. In der Folge nimmt die Verdaulichkeit der Faserbestandteile kontinuierlich ab. Zudem ist bei diesen Pflanzen keine Bildung leicht verdaulicher Kohlenhydrate durch Photosynthese mehr zu erwarten. Abgestorbene Pflanzenteile bieten darüber hinaus ideale Bedingungen für Gärschädlinge, wie z. B. natürlich vorkommende Hefen. Auch die nicht befruchteten Narbenfäden stellen potenzielle Eintrittspforten für Infektionen mit dem Maisbeulenbrand (Ustilago maydis) dar. Aufgrund der hohen Tagestemperaturen, die nahe am Wachstumsoptimum von Schimmelpilzen wie z.B. Aspergillus flavus liegen, besteht zusätzlich ein erhöhtes Risiko für eine Kontamination mit Aflatoxin-Mykotoxinen. Um also noch pansenabbaubares Futter mit hohem Futterwert zu silieren, sollte in diesen Beständen eine zeitnahe Ernte dringend in Betracht gezogen werden.
Stufen 2 & 3: Nährstoffzuwachs noch möglich
Bei Beständen der Ausprägungsstufen 2 und 3 kann mit der Ernte noch abgewartet werden, sofern folgende Bedingungen erfüllt sind:
- Die Pflanzen verfügen noch über befruchtungsfähige Narbenfäden
- Es wird weiterhin Pollen ausgeschüttet bzw. der erste Kolben ist zumindest teilweise befruchtet
- Mehr als 70 % des Blattapparates sind vital bzw. grün
In diesem Zustand überwiegt aktuell noch die zu erwartende Assimilationsleistung sowie der Zuwachs an pansenabbaubaren Nährstoffen. Sobald weniger als die Hälfte des grünen Blattapparates vorhanden ist, sollte auch hier die Ernte eingeleitet werden.
Stufen 0 & 1: Erntetermin richtig planen
Bei einer normalen Bestandsentwicklung unter optimalen Witterungsbedingungen, begünstigt durch ausreichend Niederschlag, ist mit einem Anstieg des TS-Gehaltes von etwa 3 % pro Woche zu rechnen. Bestimmte Merkmale weisen auf den nahenden Erntetermin hin, wie etwa:
- Milchlinie in der Kornmitte (bei 50 %)
- Schwarzer Punkt an der Kornbasis
- Rötlich gefärbte Stängelbasis
Diese Anzeichen (siehe Abbildung 2) spiegeln den Fortschritt der Stärkeeinlagerung wider. Der ideale Erntezeitpunkt liegt bei einem Trockensubstanzgehalt von 32 – 35 %.
Abbildung 2: Die Milchlinie befindet sich noch nicht in der Mitte des Korns und der schwarze Punkt an der Kornbasis fehlt. Der optimale Erntezeitpunkt im Hinblick auf die Stärkeeinlagerung ist demnach noch nicht erreicht.
Wir unterstützen Sie gerne dabei, den Erntezeitpunkt richtig einzuschätzen und eine möglichst hohe Qualität im Silo sicherzustellen.
Wenden Sie sich dazu gerne an Ihre:n zuständige:n Fachberater:in.